Donnerstag, 18. Januar 2018

Trollt Jupp Heynckes uns eigentlich?

Also... habt ihr bei genauerem Hinsehen eine bessere Erklärung?

Das faszinierendste am Jupp Heynckes Comeback ist ja, dass es seit dem die Idee das erste Mal aufkam nur positive Resonanz gab. Also allein der Gedanke, dass eine derart rückwärts gerichtete Entscheidung den Bayern langfristig Schaden könnte, durfte nirgends ausgesprochen werden... außer natürlich hier.

Nun kann man, da Jupp seit dem alles richtig gemacht zu haben scheint, jetzt noch zu dieser Meinung stehen, oder es lassen... aber dass es so gar keine Kritik an dem Mann gibt... egal was er macht...

Am deutlichsten wurde das bei dem Vergleich der Berichtserstattung der Paris St.Germain Spiele... also wenn Carlo Ancelotti in einem derart wichtigen Spiel auf Kingsley Coman anstelle von Arjen Robben bringt, fragen sich alle, ob der mit einer derart absurden Aufstellung nicht seinen Rauswurf provozieren wollte... Wenn Jupp Heynckes dasselbe macht, sagen alle nur "Genial, wie der die Jugend fördert."

Natürlich hat der Trainer, der gewinnt am Ende immer recht... aber sollte kritische Berichtserstattung nicht anders funktionieren?
Also ja, Heynckes hat diese Mannschaft stabilisiert. Und er hat ein genau genommen belangloses Spiel gegen Paris gewonnen. Und 2 mal gegen 10 Leipziger... dazu gegen nen Haufen Laufkundschaft... Aber ist er deswegen der Heiland? Fällt niemanden auf, dass die Bayern die 4 Spiele vor der Winterpause gerade so gewonnen haben? Also jeweils mit einem Tor Vorsprung? Obwohl es unter anderem gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten ging?
Wenn Ancelotti im eigenen Stadion die Kölner 90 Minuten lang von einem Punkt durch nen Lucky Punch träumen lassen würde... wäre hinterher das "Das ist nicht gut genug" Gejammer groß.

Und auch die Beurteilung der einzelnen Spieler... wird unter Jupp Heynckes alles schön geschrieben...
Wenn Franck Ribery auch unter seinem Lieblingstrainer noch nicht wirklich auf die Beine gekommen ist... hat er ja noch Zeit... Mal sachlich betrachtet hat der Mann bisher 1 Saisontor erzielt... aber die Bayern müssen unbedingt mit ihm verlängern...
 Wenn Thomas Müller auch unter Heynckes keinen unumstrittenen Stammplatz hat, ist er halt noch verletzt und muss erst langsam wieder aufgebaut werden... Anstatt drauf zu verweisen, dass Müller auch unter Heynckes nur noch am Mitlaufen ist...
Wenn ein Ancelotti Müller erst Mal aufbauen wollen würde... bekäme er sofort von allen Seiten Gegenwind.

Aber seit dem Heynckes wieder in Amt und Würden ist, dürfen alle nur noch darüber berichten, wie genial es doch wäre, wenn der länger bleibt... anstatt mal kritisch zu fragen, ob es nicht vielleicht im Jahr 2018 bessere Lösungen geben müsste... aber dann müsste man ja positiv über Thomas Tuchel schreiben... oder man fängt selber die "Wird Jogi Löw jetzt Bayern Trainer" Geschichte an, die zu Unruhe bei unserem Lieblingskind führt... (Falls ich nicht mehr dazu komme... das wird Teil 5 der "Wie wird Jogi die Titelverteidigung verkacken" Serie... Dann doch lieber 3 Mal bei Jupp nachfragen, ob er nicht vielleicht doch...
Ganz ehrlich, der Kicker führt sich derzeit wie die schlimmsten Speichellecker auf... wie Geheimagenten von Rumenigge und Hoeneß, die nur ein Ziel haben: Heynckes vom Bleiben zu überzeugen...
Wobei man sachlich erwähnen muss: Von dem Tripple, dass die jetzt alle herbeireden wollen, ist man noch nen gutes Stück entfernt.
Faszinierend ist ja dabei, wie das eine Narrativ das andere komplett ignoriert. Also die Bayern gewinnen gerade so gegen die schwächste Konkurrenz seit Jahren, sollen aber gut genug für den großen Wurf sein? Entweder Köln, Stuttgart und Frankfurt sind gut genug um die Bayern wirklich zu fordern (dann kann man sich die ganze Qualitätsfrage sparen) oder die Bayern sind Stand Jetzt nicht gut genug für den ganz großen Wurf...
Und wo ich schon im Prognosen Modus bin: Gegen Manchester City oder Barcelona werden die kein Land sehen. Es sei denn die Leistungssteigerung setzt wirklich ein... Und schon davor gibt es einen Haufen Mannschaften, gegen die es verdammt eng wird...

Aber zur eigentlichen Frage: Trollt uns Jupp Heynckes jetzt... also meine Theorie ist ja, dass ihm das alles bewusst ist... und er mal guckt, wie weit er das übertreiben kann, ohne dass es jemanden auffällt...
Und noch fällt es niemanden auf... Also im großen Kicker-Interview vom Montag wird großspurig angekündigt, dass es keine "Trainer-Sprech" geben wird... stattdessen fallen die ganze Zeit nur Begriffe wie... phyischer und taktischer Bereich... Homogenität der Mannschaft... fußballerische Harmonie... Rhythmus ändern... Substanzverluste... Angriffsschemen, die perfektioniert werden müssen... klare Inhalte... präzises und perfektioniertes Passpiel... instinktiv ausgeführte Laufwege im Gesamtgefüge...
Also ganz normale Gesprächsfloskel... Die man auch als nicht Trainer verwenden würde und ohne Fußballkenntnis verstehen kann... aber definitiv kein Trainer-Sprech...

Und natürlich spricht Heynckes nicht den neusten Jargon. Den noch zu lernen, hat er einfach nicht mehr nötig. Genau genommen ist das Heynckes Interview der (erneute) Beweis, dass das Phänomen "Trainer-Sprech" gar nicht so neu ist. Nur die Vokabeln haben sich ein wenig entwickelt... was völlig normal ist. Also früher sprach man vom Libero vor der Abwehr, heute vom Abkippenden Sechser, obwohl beide exakt dasselbe machen... Früher hat man von "Kontrollierter Offensive" gesprochen, wenn man das 1:0 einfach nur verteidigen wollte, heute spricht man von "Falscher Neun"... Alles nichts ungewöhnliches...

Dass der Kicker jetzt versucht der gesamten neuen Generation eins reinzuwürgen, weil ihr Lieblingstrainer ja ohne Trainer-Sprech auskommt... dann aber ein Interview führt, dass voll davon ist... ist eigentlich völlig absurd... Da fragt man sich, ob der Autor seinen eigenen Artikel überhaupt mal gelesen hat... Aber man muss das ganze ja so aufziehen, weil man verdeutlichen will, dass Jupp Heynckes was ganz besonderes ist.

Was nicht bedeuten soll, dass alles, was Heynckes gemacht hat, totale Grütze war. Aber genau genommen hat er nur eine Mannschaft, die keinen Bock mehr auf ihren Trainer hatte (was man auch mal ansprechen könnte...) stabilisiert... Das ist nicht mehr als ein ganz normaler Dead Coach Bounce, den man aber auch erst mal auslösen muss... es ist aber nicht auszuschließen, dass Michael Oenning das bei den Bayern hinbekommen hätte. Aus ihm jetzt deswegen den größten Heiland seit Jesus Christus zu machen, erscheint mir einfach ein bisschen übertrieben.

Dienstag, 16. Januar 2018

Warum haben eigentlich alle so viel Angst vor "Challenges"?

Also nach dem die Probephase zur Hälfte "durchgestanden" ist, gibt es ja nur 2 Dinge, die definitiv fest stehen:
1.) Mit der derzeitigen Anwendung ist niemand wirklich zufrieden. Wir müssen dringend an der Optimierung des Videobeweises arbeiten
2.) "Challenges" stehen definitiv nicht zur Debatte. Nicht mal als Denkmodell. Sie sind keine Option.

Um das Konzept der Challenges kurz zu erklären: Man gibt in einem solchen System den Trainern die Möglichkeit, einen Videobeweis einzufordern. In der NFL hat dies jahrelang erfolgreich funktioniert.

Die spannende Frage ist: Warum ist dies im Fußball so unvorstellbar? Also wieso kann man die Idee nicht mal debattieren und die Vorteile eines solchen Systems hervorheben.
Und die Vorteile sind zumindest für mich offensichtlich. Also ganz einfach: Ein Christian Streich kriegt einen seiner Anfälle, weil seine Mannschaft einen Einwurf nicht bekommen hat. Also rennt er wild mit dem Armen fuchtelnd zu Bibiana Steinhaus... diese schaltet automatisch in den Barney Stinson Modus und antowertet "Ok, Challenge accepted"...
Und Jürgen Klopp dann so: Warte was? Nein! Also so wichtig ist der Einwurf dann doch nicht... Aber dann ist es schon zu spät... Damit hat Thomas Tuchel dann eine seiner 2 Challenges für einen sinnlosen Einwurf verschwendet... und das nächste Mal wird Pep Guardiola sich überlegen, ob er sich wirklich wieder über die scheinbare Ungerechtigkeit eines bedeutungslosen Pfiffs aufregt...

Und geht mal in euch, wie oft sich die Trainer an der Seitenlinie aufregen, als wären sie gerade offensichtlich betrogen worden. Was ja jeder gesehen haben muss... Und überlegt euch, wie viel Unruhe die damit ins Spiel bringen können...
Wenn dieses Verhalten eine Challenge auslösen würden... würden sie die Situation auf ein Mal ganz anders beobachten. Und Funkkontakt zum Co-Trainer im VIP Bereich mit Videobildern aufnehmen...
Was meint ihr, wie sich die Stimmung auf den Trainerbänken plötzlich ändern würden. Weg von den Pausenclowns, die bei jeder Gelegenheit zum Schiedsrichter rennen. Hin zu einer sachlichen und produktiven Analyse der Entscheidungen auf dem Spielfeld. Was soll daran schlecht sein?

Und wenn man schon dabei ist: Auch die Spieler, die sich lauthals und mit ausgestreckten Armen beim Schiedsrichter beschweren, lösen dadurch eine Challenge aus. Was meint ihr wie ein Trainer seinen Spieler hinterher in der Kabine zur Sau macht, wenn er nach einem offensichtlich sauberen Zweikfampf eine Challenge auslöst... und dem Trainer damit in der 89. Minute die Möglichkeit fehlt die wirklich strittige Szene im Strafraum nochmal analysieren zu lassen... Auf ein Mal hätte man als Trainer ein gesteigertes Interesse daran, dass sich die Spieler um ihr eigentliches Aufgabenfeld kümmern anstatt sich mit Schiedsrichterentscheidungen zu befassen... Was auch definitiv viel zu häufig passiert...
Warum darf man über so ein Konzept und seine Auswirkungen nicht mal nachdenken?

Wichtig ist dabei natürlich, dass ausschließlich Challenges zu einer Überprüfung der Szenen führen. Also in der NFL gibt es mittlerweile das Problem, dass haufenweise Spielzüge automatisch überprüft werden... Also jeder erzielte Punkt und jedes Turnover... was dazu führt, dass die Trainer ihre Challenges verwenden können um wirklich belanglosen Scheiß kontrollieren zu lassen. Weil sie es für die wichtigen Entscheidungen eigentlich nicht mehr brauchen.

Und natürlich müssen die Challenges auch entsprechend rar sein. 2 pro Spiel. Eventuell eine 3., wenn man 2 Mal richtig gelegen hat. Aber definitiv nicht mehr, damit die Trainer sich wirklich genaustens überlegen, ob sie dieses taktische Mittel jetzt verwenden.

Apropos taktisches Mittel: Eine Challenge würde natürlich immer dazu führen, dass die Zeit angehalten wird. Allein schon um zu verhindern, dass es in der Schlussphase als Mittel zum Zeitspiel eingesetzt wird. Aber das lässt sich definitiv einfach lösen. Genau genommen sollte der Einsatz des Videoschiedsrichters jetzt schon zu einem Anhalten der Uhr kommen...
Andererseits... öffnet man damit natürlich auch die Büchse der Pandora... also wenn man erst Mal anfängt die Uhr bei der einen Gelegenheit anzuhalten... müsste man sie dann nicht auch bei Verletzungsunterbrechungen stoppen? Also prinzipiell wäre ich da definitiv dafür, dann könnte man sich die letzten 10 Minuten eines Fußballspiels auch wieder angucken, weil nicht mehr ein Team effektiv verteidigt, in dem es am Boden liegt... Aber das ein Spiel 90 Minuten dauert... und absehbar ist, wann diese 90 Minuten vorbei sind... ist immer eine Grundlage des Spieles gewesen...
An der Stelle muss man sich allerdings auch fragen: Wäre das Ende der fortlaufenden Spielzeit wirklich eine größere Veränderung für den Sport als das, was in den letzten 2 Jahren mit Torlinientechnologie und Videobeweis passiert ist? Und wenn man die Zeit im ungünstigsten Falle 4 Mal pro Spiel anhält, wird der Unterschied ja nicht sooo relevant werden... Man kann ja als Kompromiss einführen, dass die Uhr in den letzten 10 Minuten angehalten werden kann, wenn ein Videobeweis eingefordert wird.

Was ebenfalls noch wichtig wäre: Eine gescheiterte Challenge muss auch irgendwie zu einer Strafe führen. Also sagen wir ein Eckball für den Gegner. Oder ein Freistoß vom Flügel. Also auf jeden Fall die Gelegenheit einen ruhenden Ball in den Strafraum zu schlagen. Allein schon um zu verhindern, dass man versucht das Spiel zu unterbrechen um einen Gegenangriff zu stoppen. Oder ähnliche Unruhe aufs Spielfeld zu bringen...

Wäre das die Lösung aller Probleme beim Videobeweis? Bestimmt nicht. Aber es ist doch zumindest mal ein diskussionswürdiger Ansatz. Ich würde es wirklich als spannend empfinden, wie sich eine solche Reglung auf das Klima im Fußball auswirkt...
Und ja, ich gehe felsenfest davon aus, dass dies erstmal zu haufenweise Überprüfungen führen würde.. die in 90% der Fälle nur die Entscheidung des Schiedsrichters belegen... Bis dann irgendwann mal wirklich einem Trainer im entscheidenden Moment eine Challenge fehlt und er sich ärgert, dass er die schon verschwendet hat.
Als Schritt 2 führt diese Änderung zur Einführung eines Videoassistenten. Den es schon längst geben sollte. Also ein zusätzlichen Blickwinkel, der über Funk dem Trainer aus seiner Perspektive auf Auffälligkeiten hinweist. Und halt nebenbei kritische Szenen blitzschnell beurteilen muss... Wenn Fußball ein gut gecoachter Sport wäre, würde es so was schon längst geben. Aber im Fußball wird man ja ausgelacht, wenn man sich die erste Halbzeit von der Tribüne aus angucken will, weil man von dort einen besseren Blick hat...

Das aller größte Problem wäre natürlich, dass man dieses "Ok, du hast dass jetzt gechallenged." auch wirklich durchziehen muss. Und daran wird es am Ende scheitern. Denn genau genommen haben die Schiedsrichter schon alle Möglichkeiten um zumindest für Ruhe auf dem Platz zu sorgen. Sie müssten nur das Vorhandene Regelwerk konsequent anwenden und den Spieler, der eine persönliche Strafe für seinen Gegner verlangt, ebenfalls verwarnen. Genau so wie fürs vehemente Beschweren... Das macht aber halt keiner und deswegen ist die Stimmung auf den Plätzen ja so, wie sie ist...
Wahrscheinlich dürften die Spieler der etablierten Verein weiterhin vor sich hin jammern, ohne dass die Challenges ausgelöst werden... weil... wer will wirklich, dass ein etablierter Nationalspieler plötzlich wie ein Depp dasteht?

Ich sag das mal so: Über die Vor- und Nachteile eines Challenge-Systems sollte man wenigstens mal in aller Konsequenz nachdenken, anstatt es von vorne herein auszuschließen. Denn es könnte wirklich interessante Auswirkungen auf die Reaktionen auf dem Feld haben, die anscheinend einfach niemand bedenkt.

Montag, 15. Januar 2018

Das "Worst of mit der Maus."

Aber... erst Mal die wichtigen Dinge. Angefangen mit Kevin Prince Boateng und seiner klaren Kante gegen H&M. Was mir dabei als aller erstes einfällt: Kann mal jemand dem Boateng den Link zum Fanshop von Babelsberg 05 schicken? Der wirkt wie einer der wenigen Profis, die es sich trauen würden sich im "Nazis raus aus den Stadien" T-Shirt aufzuwärmen. Aber wahrscheinlich läuft das wie bei Nils Petersen: Wenn jemand dem Multimillionär Museumskarten schenkt, guckt er sich die vielleicht auch an...
Dass dann in Hannover ausgerechnet Leon Balogun mit Affengeräuschen von den Fans begrüßt worden ist... also einer der Spieler, die sich öffentlich mit Boateng solidarisiert haben... beweist nur, dass Boateng mit seiner ursprünglichen Aussage absolut Recht hatte: Die Affensymbolik wird immer wieder beleidigend eingesetzt...
Für die Hannover Fans war das nebenbei eine echt besondere Leistung... denn dort wurde das normale Niveau mit Stimmungsboykott und Sarg-Metaphern echt noch unterboten, als es auf ein Mal darum ging, Stimmung zu verbreiten... ähm... wenn das eure Vorstellung von Stimmung ist... dann boykottiert doch lieber, das wirkt sympathischer.
Aber hey... immerhin... sind die nicht die einzigen... auch ein gewisser Karlheinz Wild heute eine Klarstellung veröffentlichen: "Es bestand nie und nimmer die Absicht, den Spieler und Menschen Aubameyang in irgendeiner Form zu beleidigen oder zu diskriminieren." Was hatte der Chefreporter gemacht? Nun ja, sich auch der Affen-Metapher bedient um den Zirkus des Dortmunders zu beschreiben...
Ich sag das mal so: Das ist für einen Chef extrem unglücklich, wenn man selber gerade auf seiner eigenen Plattform darauf hingewiesen wurde, dass man bei solchen Formulierungen vielleicht vorsichtig sein sollte, weil sie verletzend sein dürften...

Jetzt aber... die Maus...

Also... um mal das eigentliche Problem an der Maus, die es in unser Abendprogramm geschafft hat, auszusprechen... denn das so eine Maus auf so einem Platz auftaucht, ist gar nicht sooo unwahrscheinlich... aber dass halt in einem absoluten Spitzenspiel so wenig auf dem Spiel steht, dass ein Kameramann über diese Maus stolpern konnte... Weil man sich halt nicht wirklich auf das Geschehen auf dem Platz fokussieren musste... Sollte der nicht eigentlich nach größeren Highlights Ausschau halten?

Andererseits... ging das Spiel halt genau so aus, wie zum Hinrundenauftakt: Nicht sonderlich motivierte Bayern gewinnen 3:1 und lassen Bayer dabei wenigstens zwischenzeitlich ordentlich aussehen... was total fies von den Bayern war, weil Trainer Heiko Herrlich in der Vorbereitung explizit darauf hingewiesen hat, dass es nicht um Haltungsnoten geht...
Und da ist er ja ein absoluter Experte, schließlich musste er wegen seiner Mangelhaften Haltungsnoten 12.000 Euro Strafe zahlen... Wurde aber immerhin nicht gesperrt... der weiß also, wovon er redet...
Aber hey, Herrlich ist absolut davon überzeugt, dass er das nächste Duell gegen die Bayern (dann im Pokal) nur 2:1 verlieren wird... oder so...

Das sich nebenbei alle auf den Fan mit dem Schuh als Telefon gestürzt haben... und dabei den eigentlichen Screenshot des Jahres verpasst haben: Also das Bild, in dem sich der Securitas Angestellte demonstrativ vor die Ersatzbank der Bayern setzt, findet man Online natürlich nicht... und ja, ich habe sowohl das 1:0 als auch die Maus ursprünglich verpasst, weil ich dieses Ereignis nochmal nachrecherchiert habe... Also aus demselben Grund, aus dem der Kameramann nach der Maus gesucht hat... aber Online findet man das natürlich nicht... Und wenn man eine konkrete Suchanfrage zu dem Thema stellt, landet man erstaunlich schnell in der Southpark Hölle... Dabei wäre der "Guckt mal, der Beweis, dass tatsächlich jemand versucht hat sich gegen die Bayern zu wehren" Joke so großartig gewesen...

Frohes Neues HSV!!! Also ja, nachdem 2017 alle die ganze Zeit behauptet haben, dass dieses Jahr ja endlich alle an einem Strang ziehen... zeigt jetzt Megrem Mavraj mit dem Finger auf die Offensive und Andre Hahn als Offensivspieler auf den Rest, weil keiner Nachrückt...  Ist ja mittlerweile auch 2018, da kann man mal was neues probieren...
Derweil will Markus Gisdol auch diese Woche das "schnelle Umschalten" trainieren lassen. Das ist verdammt wichtig. Schließlich wird die gesamte HSV Mannschaft zeitnah im Kopf komplett umschalten müssen... auf einen neuen Trainer...
Nur um mal zu erwähnen, wie Grausam die Aufholjagd des Hamburger SVs in Augsburg war: In den Sportschau-Highlights wurde gezeigt, wie Julian Pollersbeck irgendwie versuchte sich warm zu halten... Das sollte eigentlich ein schlechtes Zeugnis für beide Mannschaften sein, aber eine musste das Spiel halt gewinnen...

Niklas Stark, Gomez der Woche. Was, wer denn sonst... also abgesehen von der Distanz... und dem Fakt, dass der Ball rein ging... und dem Detail, dass Stark als Verteidiger zum Ball ging... war die Aktion doch dicht dran am Original... Also der Ball hatte dieselbe Flugkurve... Immerhin konnte er hinterher darauf verweisen, dass es keine Notbremse war, weil er ja den Ball gespielt hat...

Was der Hertha wirklich sorgen bereiten sollte... ist ja Pal Dardais "Es war auf jeden Fall ein Fortschritt..." also hier ist die Analyse des Kickers: "Eine Partie auf äußerst dürftigen Niveau." Und dieses äußerst dürftige Niveau bei einem Aufsteiger muss Dardai uns jetzt als Fortschritt verkaufen... weil er sich gegen das Narrativ zur Wehr setzen muss, dass die Hertha unter ihm in der 2. Saisonhälfte immer nachlässt...

Pierre Emmerick Aubameyang: Ähm... also... What the fuck? Also ist die Tinte unter seinem neuen Vertrag eigentlich schon getrocknet? Also ganz ehrlich... wie schafft man es in derselben Transferperiode, in der man seinen Vertrag verlängert hat, einen Wechsel zu forcieren? Hätte er sich da nicht einfach die Unterschrift sparen können?
Und ja, meine erste Reaktion auf die Nachricht "Vertragsverlängerung" war: Hey, vielleicht kommen wir wirklich ein Mal ohne Spekulationen über die Runde... Das hat wunderbar funktioniert... so gefühlt 3 Tage lang...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Wie wird Jogi Löw die Titelverteidigung verkacken - Teil 4

Denn eine entscheidende Vorliebe von Jogi Löw fehlt ja noch:

Er muss auch immer auf den neusten taktischen Hype aufspringen. Das ist einfach seine Philosophie vom Fußball.

Und auch hieraus will ich ihm nicht zwingend einen Strick drehen. Dass Deutschland bei den letzten Turnieren die einzige Mannschaft war, die konstant und vom ersten Moment an auf Sieg gespielt hat, rechne ich ihn ebenfalls hoch an. Denn sein wir ehrlich: Die meisten Mannschaften verteidigen zum Auftakt lieber eine knappe Niederlage als auf einen Sieg zu spielen. Und fragen sich dann am 2. und 3. Spieltag, wie sie auf die nötigen 4 Punkte kommen, die es zum Weiterkommen braucht.

Random Thought: Ich frage mich ja echt, ob der Kicker mich trollen wollte... oder ob die sich echt so wenig mit Fußball beschäftigen, obwohl sie damit ihr Geld verdienen... was hat mich dieses Mal getriggert? Nun ja... in der Jahresumfrage fällt tatsächlich die Aussage, dass die Franzosen bei der EM gegen "spielstarke Portugiesen" "den Kürzeren zogen"... Ja, genau die Portugiesen, die wirklich alles versuchten um ohne einen einzigen Sieg den Europameistertitel zu holen... Ernsthaft, wer im Sommer 2016 spielstarke Portugiesen gesehen hat, sollte dringend mal die Brille wechseln...

Aber zurück zu Löws taktischer Innovation: Das Problem daran ist: Die ist bei Weltmeisterschaften extrem egal. Fragt euch einfach mal selbst, wann es das letzte Mal wirklich innovativen Fußball bei einer WM gab... Und dort den Next Level Shit...

Genau genommen ist die Taktik aber nur in erstaunlich wenigen Wettbewerben wirklich relevant... also dann, wenn 2 Mannschaften mit 16 Weltklasse Spielern in ihren Reihen aufeinander treffen... das nennt man Champions League Halbfinale... da arbeiten dann die entsprechenden Experten die ganze Saison drauf hin. Damit die einen das perfekte Offensivspiel auf den Rasen bringen um den ebenfalls perfekten Abwehrriegel des anderen zu knacken... und ja, genau darauf lassen sich die Duelle Pep Guardiola vs Jose Mourinho herunter brechen. Taktisch hochgradig spannende Duelle. Aber in 90% der Fälle kommen beide Trainer genau genommen damit aus, die bessere Mannschaft auf den Rasen zu stellen... und wenn sie dann doch mal verlieren, liegt das meistens weniger an der Taktik, sondern eher an der Einstellung... Die Spiele, die wirklich durch die Taktik (und nicht durchs Talent) entschieden werden, sind schon auf Vereinsebene erstaunlich rar...

Das Problem ist aber, dass Weltmeisterschaften halt anders funktionieren... weil man die Löcher in seinem Kader nicht mit 70 Millionen auf dem Transfermarkt stopfen kann... und jede Nationalmannschaft hat ihre Löcher im Kader... und an anderen Stellen ein Überangebot... Und weil man bei weitem nicht die Zeit hat die taktischen Feinheiten einzustudieren... Daher gilt im Normalfall: Halte es lieber einfach.

Jetzt kommt natürlich als erstes ein "Ja, aber die Falsche 9"... Ja, genau, die Falsche 9. Darum geht es doch.

Also lasst uns nochmal den Mythos Falsche 9 aufbrechen. Der basiert zum einen auf dem Fakt, dass Lionel Messi ein absurd guter Fußballer ist. Und dass man absurd gute Fußballer möglichst ins Zentrum stellen sollte, weil dort halt das Tor steht... Wer hätte das gedacht? Deswegen wurde aus Messi ein Mittelstürmer... und dass die gar nicht Guardiolas Grundlegende Philosophie war, bewies er dann, als er die Wahl zwischen Mario Götze und Robert Lewandowski hatte... da hat er sich doch meistens für den besseren Stürmer entschieden.

Schritt 2 des "Mythos Falsche 9" war dann ja die spanische Nationalmannschaft. Weil Vincente del Bosque der genialste Trainercoup aller Zeiten gelungen ist: Er hat seinen destruktiven Fußball als offensive Offenbarung verkauft. Herzlichen Glückwunsch. Es ist nicht mal jemanden aufgefallen. Und ja, Spanien ist 2010 mit 8 Toren in 7 Spielen Weltmeister geworden... Nur gegen Honduras gewannen sie mit mehr als einem Tor Vorsprung.
Was hat del Bosque gemacht? Er hat sich angeguckt, was sein Kader wirklich gut kann... und da die aus 8 Barca Spielern bestanden, konnten die natürlich extrem gut den Ball hin und her spielen. Was ihnen aber fehlte war diese Ausnahmeerscheinung in der Sturmspitze... also fragte sich del Bosque: Wie löse ich das Problem am effektivsten... und fing an, seine Spieler mit Ball verteidigen zu lassen...
Dieses System wurde dann 2012 so weit perfektioniert, dass es über lange Phasen gar keinen Stürmer mehr brauchte... sondern eine zusätzliche Anspielstation. Also wurde Cesc Fabregas in die vorderste Front gestellt... und der Begriff "Der Stürmer ist der erste Verteidiger" bekam eine ganz neue Bedeutung...
Del Bosques Ansatz war es aber nie den Fußball zu erneuern. Er hat sich einfach nur ganz pragmatisch seinen Kader angeguckt und sich gefragt hat, wie er so viele überragende Spieler in einem System, dass die möglichst gut beherrschen, auf den Rasen platzieren kann... Anders ausgedrückt: Wenn das Rückgrat seiner Mannschaft aus 8 Atletico Madrid Spielern bestanden hätte, hätte er genau so wie spielen lassen wie Diego Simeone... deswegen war del Bosque ja auch der beste Nationaltrainer aller Zeiten. Er hatte nie eine eigene Agende oder Spielidee. Er hat einfach nur das laufen lassen, was die Spieler am besten beherrschten.
Schritt 3 ist dann natürlich Jogi Löw, der als einziger davon überzeugt war, dass Angreifen ohne Angreifer die genialste Variante ist, Fußball zu spielen... Und ja, Löw war der einzige, der mit der falschen Neun aber ohne einen Messi angreifen wollte. Alle anderen haben doch auf die klassischen Mittelstürmer gesetzt...


2018 ist der neuste heiße Scheiß das 3-5-2... und wenn man sich die Deutsche Auswahl anguckt, wird das echt zum Problem, wenn Löw sein "wir spielen das jetzt, weil die großen Vereinsmannschaften das Spielen" Mantra durchzieht...
Also lasst uns die Auswahl mal genau angucken... Da gibt es 7 der 10 besten Torhüter des Turniers...
 Davor stehen dann 2 wirklich gute Innenverteidiger mit Mats Hummels und Jerome Boateng. Also wenn mich nicht alles täuscht, dürften das die einzigen Kandidaten sein, die in der Kicker-Rangliste mal das Attribut Weltklasse bekommen haben... mehr als ein Mal...
Und klar, Niklas Süle und Antonio Rüdiger könnten das vielleicht auch mal werden... aber bis zum Sommer würde ich nicht drauf wetten. Skodran Mustafi ist ein netter Innenverteidiger aber nicht mehr... keiner von denen ist so gut, dass man für sie die Taktik umstellen sollte...

Davor kommt natürlich das große, nicht lösbare Problem namens "Flügelspieler". Also ja, im 3-5-2 sind die alten Außenverteidiger die neuen Flügelspieler... Genau genommen nennen wir das 3-5-2 ja nur so, weil keiner zugeben will, dass alle gerade mit Fünferkette spielen... das klingt so unattraktiv... also muss man auf den Aushilfsrechtsverteidiger Joshua Kimmich (der wird bestimmt mal ein Weltklasse Zentraler Mittelfeldspieler...) und... ja... ähm... Hoffen wir wirklich darauf, dass Jonas Hector zurück kommt? Oder setzen wir doch darauf, dass Philipp Max wirklich was taugt? Oder doch Benjamin Henrichs? Egal, wie sich Löw entscheidet: Die Linke Außenbahn wird die Schwachstelle der deutschen Mannschaft sein. Was auch gar kein Problem ist... ein gewisser Joan Capdevilla ist Europa- und Weltmeister, obwohl er sonst so gut wie nichts gewonnen hat... Er hat halt einfach seine Rolle hinten links solide ausgeführt. Solche Stellen hat jede Nationalmannschaft. Aber muss man diese Schwachstellen nicht irgendwie überdecken?
Und nur so nebenbei: Ein Joshua Kimmich hat noch nicht wirklich nachgewiesen, dass er auf allerhöchstem Niveau den Außenverteidiger geben kann... klar, für die Bundesliga reicht's... Aber die ist halt auch nicht mehr wirklich gut...

Dann hat man im Angriff Timo Werner... Der gefühlt in der Champions League mit seinem Verein auch eher durchgefallen ist... und das ist die beste Option für den Angriff... danach kommt ein Mario Gomez, der sich mit 6 Saisontoren für die WM empfohlen haben wird... ein Sandro Wagner, der mit Hoffenheim international noch durchgefallener ist als Werner mit RB Leipzig und der jetzt auf der Bayern Bank sitzt... dazu Lars Stindl, der als größte Leistung den "Silbernen Schuh beim Confed Cup" in seiner Vita stehen hat... Einen Wettberwerb, der so irrelevant ist, dass er wohl abgeschafft wird... das muss man als Wettbewerb in diesem Jahrtausend erst mal schaffen... Also der letzte Wettbewerb, der wirklich abgeschafft worden ist, war das Hallenmasters... Bei allen anderen Gelegenheiten hat doch noch irgendwer beschlossen, dass man damit irgendwie Kohle scheffeln kann und dass der Pokal deswegen erhalten bleiben muss...
Anders ausgedrückt: Abgesehen von einem alternden nur noch bei Abstiegskandidaten spielenden Mario Gomez sah keiner von denen jemals wirklich überzeugend aus...

Und dann... fehlt da natürlich noch etwas: Das Herzstück im Mittelfeld. Offensiv wie Defensiv... Zentral wie Außen. Also... Luft holen... Toni Kroos, Sami Khedira, Mesut Özil, Marco Reus, Thomas Müller, Mario Götze,  Ilkay Gündogan, Sebastian Rudy, Julian Draxler, Leon Goretzka, Leroy Sane, Kerem Demirbay, Julian Brandt... also das sind die Leute, die in letzter Zeit eine Rolle gespielt haben... dazu kommen dann noch die Leute, um die bei anderen Nationen eine Rolle spielen würden... Sven und Lars Bender, Emre Can, Andre Schürrle... und haufenweise Talente, die zeitnah Nachrücken werden...
Machen wir uns nichts vor: Das Mittelfeld ist die Position, in der ein absolutes Überangebot herrscht.

Das Problem ist... diese 13 Spieler (von denen 7 wirklich richtig gut sind) werden im 3-5-2 System auf 3 Positionen verteilt. Denn man wird ja nicht in ein WM Halbfinale gegen Frankreich mit Reus und Sane als Alleinunterhalter auf den Flügeln auflaufen...

Im 4-2-3-1 nimmt man aber 2 (relative) Schwachstellen mit dem 3. Innnenverteidiger und dem 2. Stürmer aus der Startelf und ersetzt sie jeweils durch einen dieser 13 Mittelfeldspieler. Ohne irgendwie die Stabilität zu gefährden... Eher im Gegenteil: Der Linksverteidiger lässt sich eher verstecken, wenn man ihn da außen nicht grundlegend alleine lässt... Und man lässt die Spieler in einem System antreten, dass sie jahrelang in ihren Vereinen ein geübt haben...
Und ja, Deutschland hat genügend Mittelfeldspieler um 3 Mannschaften damit ausreichend zu bestücken. Die Hauptüberlegung eines cleveren Trainers wäre es jetzt, sich ein System zu suchen, in dem man möglichst viele dieser Spieler in der Startelf unterbringt.

Löw wird trotzdem das ganze Halbjahr darüber sinnieren, wie schön doch das 3-5-2 ist... er wird es einstudieren lassen, weil er ja zumindest eine Alternative braucht... und er wird am Ende kaum widerstehen können diese Alternative auch auszupacken... weil er uns allen ja zeigen muss, was für tollen, modernen Fußball er spielen lassen kann und will... Auch wenn er dadurch die Mannschaft auf dem Rasen eher schwächt als stärkt.

Dienstag, 9. Januar 2018

Wie wird Löw die Titelverteidigung verkacken, Teil 3

Kommen wir zum interessanten Teil. Nachdem das offensichtliche abgearbeitet ist...

Ich habe ja immer das Gefühl, dass Jogi Löw nicht nur Weltmeister werden will, sondern dass er im Hardcore Modus Weltmeister werden will. Wie sonst will man sich das Festhalten an Lukas Podolski erklären... Weil er entweder gelangweilt ist, oder das für sein Ego braucht... und darum soll es in den nächsten 2 Teilen gehen...

Jogi Löw hat halt eine negative Eigenschaft für einen Nationaltrainer: Er muss immer wieder nachweisen, wie viel Ahnung er vom Fußball hat. Anstatt einfach nur das vorhandene zu Verwalten und zu Genießen, muss er sich immer wieder als Pionier bestätigen. Mit seinem herausragenden Auge für Talente...

Er will sich hinterher nicht nachsagen lassen, dass er das ja als Einziger nicht erkannt hat... gefühlt geht es eher in die andere Richtung: Er ist immer wieder im "Ich hab's euch doch gleich gesagt, dass der gut ist" Modus...

Also um das älteste Beispiel auszupacken: Löw war einer der ersten Trainer, die davon gesprochen haben, dass ein Bastian Schweinsteiger auf dem Flügel wenig verloren hat und ins Zentrum gehört. Und es wird sich heute niemand mehr daran erinnern können, aber Schweini hat seine Karriere in der Franck Ribery Rolle begonnen... bevor er dann irgendwann zum 8. und 6. wurde. Und Löw hat frühzeitig erkannt, dass dies wenig Sinn ergibt...
Und bei Schweini war das ja noch absehbar... der war halt immer zu langsam und zu schwach im Dribbling für den Flügel. Und immerhin hat er dort nur darüber philosophiert und dann darauf gewartet, dass andere das für ihn umsetzen...

Die beiden anderen Namen... sind wesentlich teurer für Jogis Vermächtnis...
Das offensichtlichste Beispiel ist natürlich Skodran Mustafi. Damals dachten sich alle "Wer?" und "Wo hat er den denn ausgegraben?" Aber Jogi Löw hat halt gleich erkannt, dass der Mann internationale Klasse werden kann... ob er die wirklich hat, oder nur ein weiteres Symptom für den Niedergang von Arsenal London ist, müssen andere entscheiden...
Was ziemlich offensichtlich ist: Im Jahr 2014 war Mustafi noch nicht so weit, der deutschen Nationalmannschaft zu helfen... trotzdem setzte Löw ihn als Rechtsverteidiger ein... vor dem etablierten, Champions League Finale erfahrenen Kevin Großkreutz... weil er uns allen zeigen wollte, dass dieser Mustafi schon nen guter ist... Das Ergebnis: Ein ziemlich katastrophaler Auftritt gegen Ghana...
Und weil das so gut geklappt hat, versuchte Löw es im Achtelfinale direkt nochmal mit Mustafi in der Startelf. Was auch suboptimal funktionierte... aber hey, immerhin konnte Löw der ganzen Welt zeigen, wie gut dieser Typ im Tor ist... Ich erinnere mich noch daran, wie deutlich hörbar das kollektive Aufatmen im Land war, als sich Mustafi sich ohne die Einwirkung eines Gegenspielers verletzte... Denn alle gingen irgendwie davon aus, dass Löw dieses Experiment so lange durchzieht, bis es uns den Titel kostet.

Dass Mustafi sich seit dem zu einem nützlichen Mitglied dieser Nationalmannschaft gemausert hat, stellt ja gar keiner in Frage. Aber 2014 wollte Löw uns unbedingt beweisen, dass er da ein echtes Juwel entdeckt hat... und wäre daran beinah gnadenlos gescheitert...

Ungefähr so, wie bei der Europameisterschaft in Frankreich... als er, dieses Mal nur als 2., erkannt hat, dass Joshua Kimmich ja einen brauchbaren Rechtsverteidiger abgeben könnte... Dass er der 2. war, erwähne ich an der Stelle nur, weil ich bereits 2015 geschrieben habe, dass Kimmich den Zwischenschritt als Außenverteidiger und Lahm-Ersatz anstreben sollte um genügend Spielpraxis zu bekommen... Weil man als Rechtsverteidiger im modernen Fußball quasi dasselbe macht, wie als Defensiver Mittelfeldspieler... nur mit eingeschränkten Blickfeld, weil neben dir die Außenlinie kommt... was zum erlernen einer Rolle nicht zwingend schlecht ist...
Löw hat meine Idee aufgegriffen und bei einer EM umgesetzt... ohne dass Kimmich vorher jemals Rechtsverteidiger gespielt hat. Da stelle ich ja gar nicht den Sachverstand von Löw in Frage... also allein deswegen nicht, weil er sich mit meinem überschneidet... Da muss ich dann wohl in den Sauren Apfel beißen und bekannt geben: Der Mann hat definitiv Ahnung vom Fußball...
Aber man muss halt auch erwähnen, dass Kimmich als Lehrling im EM Halbfinale entscheidend patzte... Es hätte vielleicht doch geholfen, jemanden aufzustellen, der diese Rolle schon das eine oder andere Mal gespielt hat... Mustafi zum Beispiel... So absurd das klingt... 2016 wäre der die einfache Problemlösung gewesen... Aber Löw musste ja wieder in den "Ich zeige euch mal, wie gut der Junge ist" Modus schalten... und uns damit auch nachweisen, wie viel Ahnung er hat...

Aber ich sage das mal so: Wenn er Talente entdecken und fördern will, muss er sich einen anderen Job suchen... Trainer in Freiburg werden wäre da eine Idee... Und ja, man wird auch als Freiburg-Trainer ausreichend gefeiert, wenn man dort Talente entdeckt...
Als Nationaltrainer ist deine Aufgabe eigentlich eine andere: Die bestmöglichen Spieler in diesem Moment finden.

Was lernen wir daraus für das Jahr 2018? Jogi Löw wird wieder irgendwen nominieren um uns zu überraschen. Was ja gar nicht das ganz große Problem ist. Er wird dann aber auch nach Varianten suchen, diese Spieler auch einzubauen und spielen zu lassen, anstatt sie als Nummer 19 oder 20 im Kader Erfahrungen sammeln zu lassen. Auch wenn die offensichtliche Antwort eine andere sein dürfte...
Der erste Name, der mir da einfällt... ist Leon Goretzka.
An der Stelle muss noch ganz dringend ein spontaner Einschub kommen: Der Kicker hat (in meinen Augen) seine Rangliste der Lächerlichkeit preis gegeben, als sie Goretzka in der Rangliste nach oben schob, weil er "vor allem als Doppeltorschütze gegen Aserbaidschan" überzeugte... Wenn ihr euch wirklich noch fragt, warum der Kicker den Werteverfall in der Bundesliga so lange nicht wahr genommen hat, findet ihr die Antwort hier: Völlig belanglose Länderspiele gegen Entwicklungsländer nehmen Einfluss auf unsere Ranglisten... Natürlich sieht Goretzka gegen Aserbaidschan gut aus... Das sind halt diese bedeutungslosen Länderspiele gegen überforderte Gegner, bei denen sich die Ergänzungsspieler gerne mal in den Mittelpunkt spielen... weil es den Etablierten egal sein kann... Podolskis Karriere basiert doch im wesentlichen aus den überzeugenden Leistungen in solchen Ansetzungen...

Zurück zur WM: Goretzka ist ein guter Bundesligaspieler... in einer nicht mehr wirklich guten Bundesliga. Führungsspieler auf Schalke zu sein ist immer noch besser als Führungsspieler in Hamburg zu sein, aber die Zeiten, wo das eine international anerkannte Auszeichnung war, sind irgendwie auch vorbei. Ein Spieler, der, wenn er sich dazu durchringt, beweisen muss, dass er sich bei den Bayern durchsetzen kann. Kann er das schaffen? Bestimmt. Aber nicht selbstverständlich. Und Löw hat halt gerade im Zentralen Mittelfeld haufenweise Spieler zu Verfügung, die bereits nachgewiesen haben, dass sie auf dem Niveau spielen können, dass Goretzka erst noch erreichen muss...
Also um mal so nen Worst Case Szenario aufzubauen: Löw lässt Toni Kroos auf der Bank, weil er uns unbedingt zeigen muss, wie gut Goretzka ist. Klingt erst Mal absurd, es ist ihm aber zuzutrauen. Denn einfach nur die besten Spieler aufstellen wäre ihm ja zu einfach...

Und ja, das widerspricht sich wieder mit dem letzten Punkt. Ich habe ja bereits angekündigt: Wie man's macht, macht man's verkehrt. Denn wenn man an der anderen Stelle einen alternden Özil dem Goretzka vorzieht und ausscheidet, wird einem genau das vorgeworfen... Aber Özil ist im Jahr 2018 halt noch besser als Goretzka.
Was Löw nicht unbedingt aufhalten muss... schließlich will er hinterher behaupten können, dass er ja gleich gesehen hat, dass Goretzka besser sein wird als Özil...

Aber Löw wird halt einen ganzen haufen von "Guten Bundesligaspielern" zur Auswahl haben. Und er wird immer wieder in die Versuchung kommen, auf diese zu setzen... Um einen anderen Namen zu nennen: Er wird in seinem Kopf nach einer Möglichkeit suchen Kai Havertz einzubauen. Auch wenn der noch nen paar Jahre davon entfernt ist der Mannschaft wirklich zu helfen. Oder er greift am Ende auf Benjamin Henrichs als Problemlösung für hinten Links zurück... Oder er verliebt sich in einen Dennis Geiger... Alles Namen, die langfristig interessant sind, die aber eigentlich für 2018 keine Rolle spielen sollten...

Freitag, 5. Januar 2018

Wie wird Löw die Titelverteidigung verkacken, Teil 2

Fangen wir mit dem offensichtlichen an: Dem Festhalten an alten, verdienten Spielern, die aber entweder nicht in Form oder nicht Fit sind...

Natürlich. Etwas, dass man normaler Weise keinem Nationaltrainer vorwerfen würde. Genau genommen endet jede Ära genau so. Auch wenn man es lieber verdrängt, wie Spanien mit Xavi plötzlich in der Vorrunde ausgeschieden ist... weil auch Vincente del Bosque alles darauf setzte, dass es im Sommer 2014 ein aller letztes Hurra dieses brillanten Fußballers gibt.
Es ist halt auch verdammt schwierig einem verdienten Nationalhelden mitzuteilen, dass es für ihn nicht mehr reicht. Und das es besser wäre seinen Platz zu räumen. Genau so selten passiert es, dass der alte Held von sich aus einsieht, dass es nicht mehr reicht... Selbst wenn er es versucht, reden ihm doch immer wieder alle ein, wie wichtig er ist... Dass eine Nationalmannschaft den Umbruch verpasst, ist nichts ungewöhnliches. Und dieses Phänomen wird einem langfristig ein Turnier "kosten"... Auch wenn 2018 eigentlich noch zu früh dafür kommt...

Und Jogi Löw ist jemand, der bewusst auf Loyalität setzt, auch wenn es ihm am Ende eher den Titel kostet... ein nicht (oder nicht mehr) fitter Bastian Schweinsteiger fiel in 2 EM Halbfinalen negativ auf... Lukas Podolskis gesammte Karriere basierte darauf, dass er damals in dem einen wichtigen Spiel gegen die Schweden 2006 seine Leistung gebracht hat. Ein Sami Khedira kam direkt aus dem Krankenhaus zur Nationalmannschaft... ein Jens Lehmann blieb als Nummer 2 in seinem Verein trotzdem der Stammtorwart.

Das alles wäre nur bedingt ein wirklicher Vorwurf... wenn Löw nicht nachgewiesen hätte, dass er ehemalige Leistungsträger wie Michael Ballack, Thorsten Frings und zwischenzeitlich Mario Gomez eiskalt abgesägt hätte. Es erscheint für den Außenstehende extrem willkürlich, ob Löw auf totale Loyalität oder einen eiskalten Schnitt setzt...

Die viel spannendere Frage ist ja: Wer sind die Kandidaten für die Rolle des Schweinsteigers? Altersbedingt gibt es da ja kaum Kandidaten... wird Löw dieses Mal auf Mario Gomez setzen, auch wenn der (als 32 Jähriger) in der Rückrunde weitere Argumente liefert, dass seine Zeit vielleicht auch einfach vorbei ist? Wenn er nicht in Stuttgart spielen würde, käme hier ein "Auf gar keinen Fall!"Jetzt ist man sich  da plötzlich nicht mehr so sicher...

Danach kommt eigentlich schon die Frage, was Sami Khedira als anderer Ü30er so macht... da aber niemand freiwillig den italienischen Fußball verfolgt, kann das niemand beurteilen...

Der nächste Kandidat wäre Mesut Özil... der ist gefühlt schon 33, weil er halt verdammt viele Jahre und Turniere in den Knochen hat... Genau so gefühlt ist der seit 2014 auf dem absteigenden Ast... Aber Özil ist halt der Martin Harnik Angreifer dieser Offensive. Immer gewesen. Wenn das Spiel ins Rollen kommt, strahlt er mit... wenn der Gegner zu viel Widerstand leistet, schafft er es nicht sich aufzubäumen... Aber genau genommen kommt diese Rolle für ihn noch ein Jahr zu früh... Die Nachfolger sind noch nicht so weit, dass sie ihn dringend ersetzen müssten. Wenn er aber 2020 dann den einen Schritt nachgelassen hat...

Viel wahrscheinlicher ist es leider, dass Verletzungen und oder daraus resultierende Formkrisen viel entscheidender. Das ist halt die traurige Realität: Der Rahmenterminkalender zerrt an den Spielern. Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der die "Spieler X verpasst damit die Weltmeisterschaft wegen einer Verletzung" Hiobsbotschaften beginnen. Wobei man an der Stelle fragen muss, ob das nicht früher auch schon so war, man es nur nicht so mitbekommen hat... weil die Berichtserstattung nicht so engmaschig war...
Und ab sofort wird bei jedem gerissenen Fingernagel die Frage nach der WM Teilnahme gestellt werden.. außer bei Arjen Robben, das ist doch mal wenigstens was...

Kandidat Nummer 1 ist hierbei natürlich Manuel Neuer. Und auch die zeigt wieder, wie schwierig dieses Thema ist. Wie lange muss der Beste Torwart der Welt vor der WM fit sein, damit er auch der Beste Torwart des Turniers wird? Wie viel Spielpraxis braucht ein Neuer um seine "Ausflüge" richtig zu timen...
Das ganze wird auch nur bedingt einfacher, wenn man mit Marc Andre ter Stegen den wohl 2. besten Torwart des Turniers in der Hinterhand hat. Also wenn man nach Neuer nur mittelmäßige englische Torhüter zur Auswahl hätte, wäre die Frage einfach zu beantworten. Wenn Neuer nicht eine derart herausragende Persönlichkeit wäre (und ja, ich sage das nicht gerne, muss es aber anerkennen), könnte man sich leichter gegen ihn entscheiden.

Die andere spannende Personalie ist Marco Reus. Wie viele Wochen in Folge müsste der eigentlich fit sein um für den WM Kader in Frage zu kommen? Reus hat diese Qualität im 1 gegen 1, die in Deutschland angeblich nicht ausgebildet wird. Er hat, wenn ich mich richtig erinnere, die Dynamik (verbunden einen Zug zum Tor), die vielen anderen Offensivspielern in Deutschland fehlt. Aber wie reagiert man, wenn der Junge vor der WM nur 6-8 Spiele macht... die alle nicht so wirklich berauschend sind... Freut man sich darüber, dass er gesund ist und sich in der Vorbereitung ausgeruht in Form bringen kann? Oder ist das Risiko zu groß und man lässt ihn lieber Urlaub und noch mehr Aufbautraining machen, damit er nach dem Sommer wirklich mal für nen Jahr fit bleibt?

Die nächste spannende Frage ist ja: Fällt Jerome Boateng bereits auch in diese Kategorie? Also wie lange beschäftigt der sich jetzt schon mit größeren oder kleineren Muskelproblemen? Wie reagiert man, wenn der nicht sorgenfrei durch die Rückrunde kommt? Ab wann gilt Mario Götze wieder als richtig fit? Und braucht man den als Achter überhaupt, oder man da nicht andere Qualitäten... Will man wirklich auf den Siegtorschützen von 2014 verzichten? Und wie sieht es mit dem Vorlagengeber Andre Schürrle aus?

Und an der Stelle ist das Wort "Verkacken" auch wirklich ein zu harter Begriff für diese Kategorie ist. Weil man jede dieser Personalien im Endeffekt verteidigen kann. Oder sogar muss. Und wie man es macht, macht man es verkehrt. Auch wenn die Geschichte durchaus so interpretieren kann, dass Löw mit seinem Festhalten an ehemaligen Leistungsträgern (Poldi 2012, Schweine 2016) uns 2 EM Finale gekostet hat... Aber wer will den Löws Leistungen kritisch interpretieren?

Aber nehmen wir nochmal Neuer und ter Stegen. Wenn er den Titel holt, wird es hinterher heißen: Definitiv die richtige Entscheidung. Egal wie sie ausfiel. Wenn Neuer eine Flanke schlecht verteidigt und dem Gegner so das 0:2 auflegt (wie halt gegen Frankreich...) werden hinterher alle behaupten: Wie kann man nicht auf ter Stegen setzen... Das war doch abzusehen...
Erwähnt werden muss es trotzdem. Und meine Finale Prognose lautet: Löw wird im Halbfinale auf Özil, Khedira und Gomez setzen, auch wenn die vorher ein mäßiges Turnier gespielt haben... und ob er dann damit Recht behält, ist die spannende Frage...

Donnerstag, 4. Januar 2018

Der Kicker muss sich mal entscheiden, was er eigentlich will

Teil... 2? Also ja, auch meine letzten beiden Beiträge werden plötzlich zu Serien... Also "Passives Abseits Leser wissen es früher" und "Der Kicker nimmt mir meinen Arbeitsplatz"...

Also ja, auch die Kicker Leser haben dann jetzt erfahren, dass die Mannschaften von Platz 2-8 am 15 Spieltag keinen einzigen Sieg schafften... Wenn die Datenbank des Kickers derart langsam Informationen ausspuckt, kriegt die Kicker Redaktion noch dieses Jahr raus, dass es der 2. Spieltag in Folge war, an dem die Mannschaften auf Platz 2-6 keinen Sieg einfahren konnten... Aber zum Glück wisst ihr da ja schon vorher Bescheid...

Aber hey, manchmal dauert es eben, bis sich die bittere Wahrheit bei Journalisten durchsetzt. Man muss da ja auch gegen alle möglichen Widerstände ankämpfen. Also weder dein Verleger, noch dein Leser will wirklich wissen, dass die Bundesliga Scheiße geworden ist. Die wollen alle so lang wie möglich an den Mythos "Hochglanzprodukt" glauben... aber irgendwann bricht halt dieses Konstrukt zusammen... Und dann muss halt der Kicker auf den Zug aufspringen und so tun, als würde er ihn anführen... mit einer 4-teiligen Serie...

Das faszinierendste ist dabei, wie krass der Umschwung in dem Narrative ist. Also am deutlichsten wird dies, wenn man sich das Spiel, welches als Beispiel für den Qualitätsverlust genommen wird, aus beiden Perspektiven betrachtet:
An diesem Montag wurde das 4:4 Spektakel zwischen Bayer Leverkusen und Hannover 96 kritisch durchleuchtet. Da fragte man sich auf ein Mal, wie dieses Spektakel zustande kam... und da waren nicht "Hohes Tempo", "Klare Kombinationen" und "Zielstrebiges Angreifen" die Ursache... sondern Standartsituationen und Fehlerketten... Plus 2 Kontertore... Am Ende wurde ein einziges Tor wirklich konsequent heraus gespielt...
Ist ja nicht soo schlimm... Ich meine, man kann ja ein Spiel durchaus kritisch betrachten, auch wenn es viele Tore gab... Und viele Tore sind nicht zwingend ein Zeichen für Hohe Qualität... eher im Gegenteil, die meisten Tore fallen in den Kreisklassen des Landes...
Problematisch wird es... wenn man dem Spiel am Montag danach dann ein "Summa cum Laude" gibt... Eine glatte 1. Eines der besten Spiele des Jahres. Ein herausragendes Ereignis... ein Beweis dafür, dass in der Bundesliga doch alles in Ordnung ist...
Was denn nun? Nun ja, das hängt halt davon ab, welche Geschichte man gerade erzählen will...

Und ja, wenn ich mir die Benotung der Spiele angucke... ist irgendwie immer das entscheidende für die Qualität, ob es spannend war... Ähm... Sachlich gesehen sollte das doch egal sein... Also klar, ich gucke mir ein Gurkenfestival wie "HSV - Wolfsburg" eher an, wenn der Verlierer in die Relegation muss... Aber dadurch, dass ich den Verlierer noch 2 weitere Male sehen muss, wird doch das gelieferte Produkt auf dem Platz nicht besser... man denkt hinterher trotzdem: So, wie die gespielt haben, hätten beide den Abstieg verdient...
Nebenbei müsste der Kicker nach der Logik "Spannung ist entscheidend" jedem K.O. Spiel bei einer WM automatisch die Note 1 geben... denn es gibt keine spannendere Konstellation als "Single Elimination Knock Out" + "4 Jahre warten, bis man das Versagen irgendwie ausgleichen kann"...

Ich muss ja zugeben, dass ich genau genommen zu wenig Fußball Live gucke um mich zu den Bewertungen des Kickers zu äußern... dafür fehlt mir einfach die Zeit. Aber selbst bei den Sportschau Zusammenfassungen denke ich regelmäßig: Was für ein Grottenkick muss das gewesen sein, wenn sie solche Highlights zeigen?
Und das eine Beispiel, wo es mir dann bewusst aufgefallen ist... war offensichtlich das Pokalspiel Schalke gegen Köln... Wo ich mir nur dachte: Wie erbärmlich ist es eigentlich, dass ein Tabellenzweiter gegen ein derart hilfloses Team nicht souveräner auftritt... sondern ein absolutes Kacktor braucht um sich durchzusetzen... und wie hilflos ist der 1.FC Köln eigentlich, dass sie nach dem Gegentor im Pokal auf "erst Mal das Ergebnis halten" spielen? Vorne passiert vielleicht noch zufällig was... Dieses "Was" war dann ein Fernschuss über da Tor von einem Innenverteidiger... Zu keiner Sekunde hatte man das Gefühl, dass Köln irgendwie gefährlich vor das Tor des Gegners kommt... Geschweige denn ein Tor erzielt... Und Schalke war bei seinen Angriffen nicht wesentlich besser... Ich verweise nochmal auf den Freistoß, den man unmotiviert über 3 Meter ins Seitenaus gespielt hat...
Und der Kicker so: Spielnote 4... Ähm... wartet was? Warum? Wie tief muss man das Niveau eigentlich ansetzen um eine 5 oder 6 zu verteilen?
Aber damals fuhr man halt noch die "Die Bundesliga ist gut" Schiene. Deswegen kann ein im FreeTV übertragenes Spiel ja nicht absolute Scheiße gewesen sein... Das ist zumindest die einzige Antwort, die mir einfällt...


Nicht weniger faszinierend ist ja, dass dem Kicker plötzlich aufgefallen ist, dass es gar kein gutes Zeichen für die Liga ist, wenn sich die designierten Abstiegskandidaten plötzlich für die Europa League qualifizieren... Sondern dass es eher ein Armutszeugnis für die Vereine ist, die mit ihrem Budget eigentlich ins Internationale Geschäft gehören... Die Erkenntnis hat sich aber schnell durchgesetzt...

Ich meine, wie viele Jahre in Folge hat sich am Ende einfach nur der am wenigsten Dumme (oder genau genommen, weil im Jahr danach plötzlich der Abstieg droht, der Dümmste) für die Europa League qualifiziert? Hertha, Köln und Freiburg als unheimliches Tripple... Davor Mainz (und wieder die Hertha), dann Augsburg, wieder Mainz, wieder Freiburg und Frankfurt als Aufsteiger... das entwickelt sich zur Endlosschleife... 2009/10 sah das letzte Mal eine Abschlusstabelle ungefähr so aus, wie man das vor der Saison grob erwartet hätte... Von Tabellenplatz 1-8 gibt es da nur die eigentlich erwartbaren Verdächtigen... Und seit dieser Saison haben sich die üblichen Verdächtigen aus Hamburg, Bremen und Stuttgart zu fast schon traditionellen Abstiegskandidaten entwickelt... Trotz (in Hamburg auf jeden Fall) extremer Ausgaben... Wahrscheinlich wussten die einfach als erste, dass zum Abstiegskandidat degenerieren der sicherste Weg nach Europa ist...
Aber der Kicker hat 8 Jahre gebraucht um festzustellen, dass sich die Liga negativ entwickelt... Da fragt man sich schon, was die eigentlich die ganzen Jahre gemacht haben?

Die Probleme, die der Kicker jetzt aufzählt, existieren seit Jahren. Wenn nicht Jahrzehnten. Es gibt immer die Bayern. Dahinter gibt es dann einen Herausforderer, der die Bayern mehr oder weniger nervt. Werder Bremen hat das 10 Jahren lang ordentlich gemacht. Borussia Dortmund hat es unter Jürgen Klopp so gut gemacht, dass man zwischenzeitlich sogar zur europäischen Spitze gehörte. Und damit konnte sich die ganze Bundesliga im Windschatten dieser beiden Mannschaften sonnen. Und jetzt ist RB Leipzig mit seinem Großkonzern im Rücken dran...
Aber allein schon wie problemlos RB Leipzig zur Nummer 3 in Deutschland wurde. Also erst Mal nur in der Blitztabelle. Aber bereits in der 3. Saison wird das Verpassen des Internationalen Geschäfts als Endtäuschung wahrgenommen werden. Die erwartbare Entwicklung sieht genau genommen so aus: RB Leipzig wird sich in 4 von 5 Jahren für die Champions League qualifizieren. Weil der Rest halt beim Durchmarsch der Leipziger extrem wenig Widerstand leistet.
Es gibt halt keine etablierte Elite hinter München und Dortmund. RB ist da in ein absolutes Vakuum gestoßen. Und das liegt halt im wesentlichen daran, dass die Bundesliga seit Jahren Scheiße ist. Dass all die Probleme, von denen der Kicker jetzt berichtet, seit Jahren vorhanden sind.

Faszinierender Weise fragt man sich jetzt: "Warum gibt es exakt zwei Deutsche Teams, die über jeden Zweifel erhaben und Mitglied der Weltklasse sind?" Ähm... also abgesehen von 2 Ausnahmejahren (Bayer Leverkusen 2002, Borussia Dortmund 2013) von (international betrachtet) Überraschungsmannschaften ist dies der Status Quo seit 20 Jahren... Es wollte halt nur 20 Jahre keiner Aussprechen, dass Erfolge in der Champions League diesseits von Bayern München die absolute Ausnahme sind... Weil dies ja ein Argument wäre, dass die Liga nicht wirklich gut ist... Und das will ja niemand hören... Also wollte zumindest so lange niemand hören, bis es nicht mehr zu ignorieren war...